Tschernobyl Kinder

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Die Tschernobyl Kinder: Was geschah mit den Heranwachsenden nach der Katastrophe?

Oft sind in humanitären Krisen besonders Kinder die primär Leidtragenden. Das trifft auch zu einem gewissen Grad auf die Katastrophe von Tschernobyl zu. Denn in dem nur vier Kilometer vom Reaktor entfernten Ort Prypjat lebten zum Zeitpunkt des Unglücks auch tausende Kinder. Nicht nur Menschen in der unmittelbaren Umgebung von Tschernobyl waren jedoch betroffen. Tatsächlich hatte die Strahlung des Reaktors Opfer in ganz Mitteleuropa zufolge. Säuglinge, Kinder und Jugendliche traf es hier ganz besonders schlimm.

Kinder in Tschernobyl und Pripjat

Die Sowjetunion hatte es sich immer zum Ziel gemacht, kinderreich zu sein. Das war auch am 26. April 1986 in der Ukraine der Fall. In Pripjat waren zum Zeitpunkt der Katastrophe von Tschernobyl ungefähr 50.000 Menschen wohnhaft. Davon waren ungefähr 10.000 Kinder bzw. Minderjährige. In den 36 Stunden von der Reaktorexplosion bis zur Evakuierung der Bevölkerung waren sehr viele Kinder draußen der Strahlung ausgesetzt.

Denn es war Samstag Nacht, als es während des berüchtigten Sicherheitstests zur Leistungsexkursion und Explosion des Reaktors 4 kam. Weil niemand die Zivilbevölkerung informierte, verbrachten die Menschen den Tag darauf ganz normal. Es war sonnig, das Wetter war schön. Bei Sonnenschein verbrachten viele Kinder und Jugendliche den Tag draußen beim Spielen. Familien fuhren bei dem schönen Wetter baden. Als am Sonntag um 14:00 Evakuierungen am Plan standen, waren die Menschen in Pripjat schon 36 Stunden lang der Strahlung ausgesetzt.

Folgekrankheiten trafen besonders “Tschernobyl Kinder”

Während unmittelbar nach der Katastrophe fast nur Erwachsene starben, sah es bei den langfristigen Folgen von Tschernobyl ganz anders aus. Sie sind auch 33 Jahre nach dem Unglück noch nicht vorüber. Doch die gesundheitlichen Spätfolgen sind bis heute Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen. Es gibt nur wenig Konsens über Schätzungen von Opferzahlen.

Relativ einig ist man sich über den Anstieg von Krebsraten unmittelbar nach der Katastrophe. So wurde eine starke Erhöhung des Risikos für alle Arten von Leukämie für Kinder ermittelt. Die Studie dauerte 10 Jahre. So soll das Risiko für ukrainische Kinder des Jahrgangs für Leukämie um das 3,4-fache ansteigen. Sogar im fernen Griechenland soll die Krebsraten bei Kindern ansteigen. „In Griechenland erkrankten Kinder, die zum Zeitpunkt der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im Leib ihrer Mutter heranwuchsen, 2,6 mal so häufig an Leukämie wie Kinder, die vor oder längere Zeit nach der Katastrophe geboren wurden.“, stellte der Report fest.

Die Katastrophe von Tschernobyl wird auch massiv mit Fehlgeburten in Verbindung gebracht. Hier gibt es jedoch wenige statistische Aufzeichnungen, die das nachweisen könnten.

Psychischen Folgen für Tschernobyl Kinder

Die Welt wurde nach Tschernobyl zunehmend misstrauisch. Dass trifft auf Westeuropa ebenso zu, wie auf die am stärksten betroffenen Länder Ukraine, Russland und Weißrussland. Die psychischen Folgen für die Kinder sind ebenfalls ein wichtiger Faktor. Denn nicht zuletzt wurden hunderttausende Menschen evakuiert, fünfzigtausend unter ihnen praktisch ohne Vorwarnung.

Abgesehen von der Entwurzelung der Tschernobyl Kinder war der Ursprungsort für viele Heranwachsende bereits ein Problem. So wurde der Ort mit Radioaktivität und Krankheit verbunden. Das sorgte für Ausgrenzung und Isolation. Umgekehrt wurden viele Kinder etwa in westlichen Ländern in den Monaten nach der Reaktorkatastrophe nicht mehr nach draußen zum Spielen gelassen. Kinder, die um die Zeit von Tschernobyl mit Missbildungen oder Krankheiten geboren worden sind, traf es doppelt hart. Sie hatten nicht nur mit der eigentlichen Krankheit zu kämpfen, sondern auch mit dem gesellschaftlichen Stigma, dass sich rund um die “Tschernobyl Kinder” bildete.

Weiterführende Literatur: Quellen und interessante Links

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